Von Anja Godhusen und Johannes Wüllenweber

Trotz verspätetem Aufbruch und endlosen Pausen bei Burger King und McDonald kamen wir im Mai 2012 nach sieben Stunden Busfahrt in Amsterdam an. Das Hotel war klein, aber ordentlich und zentral gelegen – fünf Minuten Fußweg zum van-Gogh-Museum – und wir waren alle erleichtert, dass es nicht voller Schimmel war, wie es einige Bewertungen im Internet beschrieben hatten. Der Wetterbericht hatte von 20°C und Regen gesprochen, tatsächlich waren es 30°C und glühender Sonnenschein. Also führte der erste Weg viele – nicht nur die Mädchen – zu H&M, um Kleider zu kaufen oder die Jungs bei der Anprobe von Kleidern zu beobachten. Als besonders schwierig stellte sich die Essenssuche heraus. Wo findet man in Amsterdam ein Restaurant, nach dessen Besuch man nicht sofort die nächste Bank aufsuchen muss? Einige fanden sich bei Pizza wieder, die sogar in Hamburg als günstig gelten würde, andere … nun ja, es ging. Wir kehrten alle pünktlich zurück und nach einiger Zeit auf den Zimmern gingen wir alle zu Bett, um am nächsten Tag die Stadtführung gut zu überstehen.

Das Frühstück am Morgen stellte sich als sehr viel besser heraus, als befürchtet. Wir gingen zu Fuß ins Stadtzentrum (mit einer Dauer von fast einer Stunde ein deutlich zu langer Weg), wo wir unsere Stadtführerin getroffen haben; eine nette Niederländerin mit lustigem deutschem Akzent. Sie zeigte uns die etwas abgelegenen Viertel der Stadt – unter anderem auch das Joordan Viertel – und erzählte uns vieles über die Geschichte und Eigenheiten Amsterdams. Nach rund zwei Stunden zu Fuß durch brütende Hitze ging es auf die Suche nach einem ruhigen Platz, um die vorbereiteten Referate zu hören. Danach war es uns freigestellt, wie wir die Stadt erkunden wollten. Schon am Dienstag erklärten wir den Park nahe dem Hotel zu unserem Stammplatz, denn praktischer Weise befand sich der Supermarkt direkt darunter.

Am Mittwoch war schon eine gewisse Routine im morgendlichen Ablauf zu erkennen. Während das eine Drittel beim Frühstück saß, kam das andere Drittel schon mit literweisen Getränken vom Supermarkt. Das letzte Drittel kam erst zum Essen, als das mittlere ging. Wir besuchten an diesem Tag das NEMO Science Center – dieses Mal zur Erleichterung vieler mit der Straßenbahn. Vergleichbar mit dem Universum in Bremen, liegt das NEMO am Hafen und ähnelt einem riesigen Containerschiff. Wir teilten uns auf und erkundeten die vier Etagen auf eigene Faust. Schließlich trafen wir uns alle, um ein besonderes Experiment zu „Chain Reactions“ zu beobachten und anschließend auf der riesigen Terrasse den wunderbaren Ausblick über Amsterdam zu genießen. Leider hielt man es dort nur im Schatten aus, doch bald schon löste sich die Gruppe auf und während einige zu Fuß, andere mit der Straßenbahn loszogen, erkundete der energiereiche Rest die Amsterdamer Grachten per Tretboot. Den Abend verbrachten wir wiederum im sonnigen Park nahe des Rijksmuseums.

Wer sich in den vergangenen Tagen noch nicht auf eigene Faust ein Tretboot geliehen hatte, konnte am Donnerstag auf einer Grachtenrundfahrt Amsterdam aus einer anderen Perspektive erleben. Auf der Tour durch das weitläufige Kanalsystem und den früheren Hafen der Stadt fiel zum ersten Mal die unglaubliche Zahl der Amsterdamer Hausboote ins Auge. Nach der Grachtenrundfahrt gingen wir gemeinsam niederländische Pfannküchle essen, die größtenteils Begeisterung hervorriefen. Am Nachmittag kümmerte sich ob des perfekten Wetters niemand mehr um den eigentlich als obligatorisch angekündigten Museumsbesuch –angedrohte Kontrollen wurden jedoch ohnehin nie durchgeführt. Trotzdem fanden sich einige bei mehr oder minder klarem Verstand vor Rembrandts berühmtem Gemälde „Die Nachtwache“ im Rijksmuseum oder der beeindruckenden van-Gogh-Sammlung des gleichnamigen Museums wieder. Den letzten Abend unserer Reise verbrachten wir mit einem Picknick im riesigen Vondelpark, wobei das Aufmerksamkeitsniveau bei den noch ausstehenden Referaten über ökologische Stadtplanung und den Rechtsrutsch in den Niederlanden bei Lehrern und Schülern außerordentlich hoch war.

Nachdem alle pünktlich zur Nachtruhe um elf Uhr in ihren Betten gelegen hatten, verwunderte die erdrückende Zahl vom Schlafmangel gezeichneter Gesichter am nächsten Morgen doch ein wenig. Doch auch wenn die Busfahrt aufgrund endloser Ehestreite und Handytelefonate am Steuer gefühlt dreimal länger dauerte, kamen wir am Freitagabend glücklich und um ein großes Stück als Profil zusammengewachsen an der Schule an.

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