Schüleraustausch mit dem Collège de la Vallée, Avon (2013)

Von Jens-Sönke Güttner

Der Schüleraustausch zwischen dem Gymnasium Oberalster und dem Collège de la Vallée in Avon bei Paris besteht mittlerweile seit sieben Jahren und fand in dieser Zeit mit jährlich wechselnden Schülergruppen kontinuierlich statt. Er ist mittlerweile in beiden Schulen zu einer festen Einrichtung geworden und hat durch die durchschnittlich 25 teilnehmenden Familien auf beiden Seiten einen größeren Bekanntheitsgrad erlangt. Dazu wurde auch auf offizieller Ebene zwischen unseren Schulen eine Partnerschaft (appariement) geschlossen, denn wir möchten diesen ursprünglich durch private Initiative begonnenen Kontakt zu unseren französischen Nachbarn als feste Institution am Gymnasium Oberalster erhalten, auch wenn durch die Veränderungen der Fremdsprachenfolge Französisch nicht mehr automatisch als zweite Fremdsprache neben Latein gewählt wird.

Die von uns vorgesehene Programmplanung konnte ohne Änderungen durchgeführt werden. Sowohl von französischer als auch von deutscher Seite wurde von allen Beteiligten Zufriedenheit über das Gelingen dieser Austauschstaffel geäußert, sodass wir bereits jetzt wieder mit den Planungen zur Fortführung unseres Austauschprojekts für 2014 beginnen. Die Zuverlässigkeit einer festen Institution braucht es auch, um die gegenseitigen Besuche im dritten Lernjahr der Fremdsprache langfristiger als bisher im Fachunterricht vorzubereiten und auszuwerten. So beginnen wir in unserer Fachschaft Französisch bereits bei der Wahl der Fremdsprache auf die praxisorientierte Perspektive des Austausches hinzuweisen und bieten frühzeitig Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme an. Dann kann auch der Lehrbuchunterricht konkreter an das Ziel eines Aufenthalts in Frankreich angepasst werden.

Gleichzeitig werden bei der Auswertung der Erfahrungen die Teilnehmer dieses Jahres in die Vorbereitung der künftigen Austauschgenerationen einbezogen, sodass sich allmählich ein immer breiterer Erfahrungsschatz aufbauen kann. Auch in diesem Jahr bereiteten wir Französischlehrer neben dem Fachunterricht in zusätzlichen Treffen auf die konkreten Situationen vor, die die Schüler in Frankreich erwarteten.

Neben dem privaten Leben in den jeweiligen Gastfamilien nehmen die Austauschschüler in Paris und Hamburg an einem durch die begleitenden Lehrer organisierten Besichtigungsprogramm teil, das insbesondere die landeskundlichen Kenntnisse des Gastlandes zu vertiefen hilft. Dabei bewegen wir uns nicht nur auf den üblichen touristischen Pfaden, sondern bemühen uns auch, den Schülern alltägliche Aspekte des jeweiligen Gastlandes nahe zu bringen.

Nach den Erfahrungen der bisherigen Austauschstaffeln haben wir uns insbesondere vorgenommen, die Unterrichtstage in den Schulen konkreter auf die Anforderungen des Austausches zuzuschneiden: Dabei sollen keine Vorführstunden entstehen, bei denen die Gastschüler lediglich die Zuschauerrolle einnehmen. Stattdessen sollen Stunden geplant werden, in denen in gemeinsamer Unterrichtsarbeit möglichst viele Sprachanlässe geschaffen werden und der Unterricht im jeweiligen Gastland erfahrbar wird. Versuche dazu haben wir bereits in diesem Jahr unternommen.

Eine letzte Anmerkung aus Sicht der Organisation: Auch nach siebenjähriger Erfahrung mit dem Austausch erfordert die Bildung neuer Schülerpaare und die Programmplanung viel Abstimmungsarbeit mit den französischen Partnerlehrern. Die Preisentwicklung bei den Reisekosten hat nicht zur Erhöhung unserer Flexibilität beigetragen, sodass einige Vorhaben heute nicht mehr ohne zusätzliche Förderung, die wir dankenswerterweise vom Schulverein oder vom Deutsch-Französischen Jugendwerk gewährt bekommen, realisierbar sind.

Auch die Dokumentation in der Schule, zum Beispiel am Tag der Offenen Tür oder anlässlich von Elternabenden, kostet viel Zeit. Daher freuen wir uns immer wieder über das Engagement unserer Gasteltern, die in jedem Jahr zum Gelingen des Austausches beitragen. Denn dass die Aufrechterhaltung einer Schulpartnerschaft trotz aller Widrigkeiten des Schulalltags auch einen ehrenamtlichen Aspekt hat, der getragen werden muss, versteht sich von selbst.

 

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