Von Clara Westhoff - S1

Ein Bericht. Italienisch. Italienisch? In der zehnten Klasse besteht der immer größere Kreise ziehende Trend, die Koffer zu packen und für ein halbes oder gar ein ganzes Jahr zu verschwinden. Tschüss GOA, tschüss Deutschland, welcome USA, welcome Great Britain, welcome Australia! Oder wie bei mir: Buongiorno bella Italia! Für mich stand früh fest, dass ich gerne einen Auslandsaufenthalt machen und das Fehlen bei der mittleren Reifeprüfung überleben würde. Lange wurde überlegt: Organisation? Internat? Es folgten Infoabende, Lehrergespräche und so weiter. Zusammen mit meinen Eltern habe ich dann die einfachste Lösung gefunden: Wer aus der Familie oder aus dem Freundeskreis wohnt im Ausland? Nora und Mako aus der Studienzeit? In Milano/Italien? Angerufen, ausgemacht, Freude! Ich konnte zwar kein Wort Italienisch, aber learning by doing hat sich bezahlt gemacht! Das GOA unterstützt die Reiselustigen ganz gut und mit Mathe-Newslettern von Herrn Hauffe und Infomails von Herrn Woldmann bin ich gut informiert losgefahren. Ziemlich genau sechs Monate, nämlich das zweite Halbjahr Klasse zehn, war ich weg.

Das Ganze in Worte zu fassen ist relativ schwer, aber ich will mein Glück versuchen: Mein Aufenthalt entsprach wohl ganz und gar nicht der Norm - nicht englischsprachig, nicht über eine teure Organisation geplant. Ich werde hier auch nicht über die „beste Zeit meines Lebens“ sprechen, die liegt nämlich hoffentlich noch vor mir. Ich besuchte die bilinguale deutsche Schule in Mailand, wo sich, leider nicht ganz zu meiner Freude, die absolute Elite der Mailänder High Society versammelte. Die Schule war richtig gut, keine Frage, trotzdem empfehle ich dann lieber öffentliche Bildungsstätten. Man lernt ja dazu. Dementsprechend schwer fiel es dann den Schülern, die seit dem Kindergarten zusammen sind, Neulinge zu integrieren. Freunde habe ich dann letzten Endes doch noch gefunden, ein Glück.

Trotzdem war es für mich ungemein prägend, sich in der Fremde, völlig auf sich gestellt, zurechtzufinden. So erkundete ich nachmittags alleine mit einem dort gekauften Fahrrad und der Metro, gerüstet mit einem Stadtplan, diese großartige Stadt. Sich einfach mal alleine treiben zu lassen, gibt die unfassbare Möglichkeit, eine neue Kultur, ein neues Land in allen Facetten selbstständig zu erkunden. Diese Selbstständigkeit kann zwar hart sein, ist aber eine wichtige Erfahrung, die meiner Meinung nach eine tolle  Vorbereitung auf das Leben nach der Schulzeit ist. Damit will ich in keinster Weise englische Internate oder behütende australische Gastfamilien kritisieren, aber jeder sollte für sich selbst wissen, was und wie viel er an Erfahrungen sammeln möchte, die ihn sein Leben lang begleiten. Ich jedenfalls bin zurück am GOA, vermisse zwar das grandiose italienische Essen, die fröhlich laute Kultur, bin aber dennoch sehr glücklich darüber, wieder mit Freunden und Familie in der schönsten Stadt der Welt zu sein!

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