Wer möchte denn schon in den Ferien freiwillig lernen? Tatsächlich hatten sich sechs Schüler der Internationalen Vorbereitungsklasse (IVK) am GOA freiwillig gemeldet, um noch ein bisschen zusätzlichen Deutschunterricht zu bekommen. Zur Not eben auch in den Ferien. Schließlich steht Anfang April die erste Deutschprüfung für das Deutsche Sprachdiplom (DSD1) an. Und im Mai dann der Erste Allgemeine Schulabschluss (ESA). Sollten die zwölf Schüler mit Migrationshintergrund diese Prüfung bestehen, haben sie die Möglichkeit, nach den Sommerferien, in die 10. Klasse einer Stadtteilschule oder eines Gymnasiums zu gehen. „Ich möchte die 10. Klasse besuchen. Und danach würde ich gern Abitur machen“, erklärt Fatemeh Hosseinzadeh, 16, und setzt nach kurzem Nachdenken hinzu: „Wenn ich es schaffe!“

Die am GOA unterrichteten jugendlichen Migranten kommen aus ganz unterschiedlichen Ländern. Elf der Jugendlichen sind männlich. Nur ein Mädchen ist dabei. Zum Teil sind es allein betreute Flüchtlinge, zum Teil sind die Schüler mit ihren Familien nach Deutschland gekommen. Sie leben in den unterschiedlichen Flüchtlingsunterkünften verstreut über ganz Hamburg. Die einzige dauerhafte Gemeinsamkeit der Schüler sind die 30 Schulstunden jede Woche am GOA. Im Focus steht dabei natürlich der Deutsch-Unterricht. Aber auch Englisch, Mathe, Sport, Politik und Gesellschaft stehen auf dem Lehrplan. Am Ende soll sich das Lernen für sie auszahlen. Auch mit dem Deutschen Sprachdiplom bekommen sie die Möglichkeit, die Schule im Sommer zu verlassen und sich für einen Beruf zu bewerben.

„Als wir im Dezember 2015 die IVK eröffnet haben, war uns noch unklar, wohin die Reise gehen wird und wir standen vor einer großen Herausforderung. Inzwischen ist viel passiert, wir haben Weiterbildungen besucht und viele Erfahrungen gesammelt. Damit diese nicht verloren gehen und weitere IVK-Schüler davon profitieren, werden wir eine AG gründen, in der wir unser Wissen sammeln und strukturieren“, so Luana König, Klassenlehrerin der IVK.

Bereits im Februar haben die Jugendlichen mit der Berufsförderung „Zukunft Jetzt! Entdecke deine Stärken“ begonnen, die aus drei Teilen besteht. Der erste Teil - eine Potential Analyse - sollte den Jugendlichen helfen, die eigenen Interessen und Fähigkeiten zu konkretisieren. Es werden die sogenannten Werkstatttage Ende Mai folgen und als letztes Modul ein zweiwöchiges Praktikum im Juli. Dieses erfolgt schon unter Berücksichtigung des Berufswunsches der Jugendlichen. Der Wunsch von Abdoulie Jawheh, 17,  beinhaltet das: „Ich gehe gern zur Schule. Aber in Deutschland kann ich ohne Schule auch keine Arbeit finden. Im Sommer möchte ich ein Praktikum machen und dann mit einer Ausbildung zum Maler und Lackierer anfangen.“

Das Lernangebot für die IVKler beinhaltet neben Deutschstunden in den Ferien auch eine Matheförderung während der Woche und die Möglichkeit, in kleinen Gruppen während einiger Unterrichtsstunden zu lernen. All dies ist nur durch ehrenamtliche Mitarbeit von Eltern und Lehrern realisierbar. Damit sich die Schüler als Klasse finden, gibt es außerdem gemeinsam verbrachte Nachmittage mit Aktionen wie Kochen, Backen, Theater- oder Bibliotheksbesuchen.

Wenn die Jugendlichen im Sommer ihren ersten Schulabschluss oder ihr Deutsch-Diplom in der Tasche haben und das GOA verlassen, wird es am GOA aller Voraussicht nach eine neue Internationale Vorbereitungsklasse geben. Auf die Herausforderung sind am GOA alle bestens vorbereitet.

Bild (oben):

oben v.l.n.r.: Osama Albjbawi, Abdelmoumen Mohammed, Ali Al-Sayed, Said-Faiz Athai, Hamed Heidari, Masoud Ahmadi

unten v.l.n.r.: Fatemeh Hosseinzadeh, Luana König (Klassenlehrerin), Ali Ahmadi, Morteza Karimi

Auf dem Foto fehlen: Anna Maria Schwertner (Klassenlehrerin), Abdoulie Jawheh, Ehab Nassar, Ibrahim Hamad (drei Schüler)

 

Nicole Poppelbaum

presse@gymnasium-oberalster.de

27.03.2017

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