Das Forschungsteam Johannes Wüllenweber und Sören Pfitzner

Von Kerstin Harder-Leppert

Eine eher unscheinbare Alge mit dem pompösen Namen Chlamydomonas reinhardtii spielt an vielen Nachmittagen eine wichtige Rolle im Leben von Søren Pfitzner und Johannes Wüllenweber. Während andere Jugendliche sich die Zeit mit PC-Spielen, Facebook oder Shoppen vertreiben, forschen die beiden 17jährigen über die Grünalge, und zwar so erfolgreich, dass sie gerade einen ersten Preis beim Regionalwettbewerb von „Jugend forscht“ errungen haben. Damit sind sie beileibe nicht das einzige siegreiche Team, das Talentförderer Dr. Björn Herber – fachlich ebenso versiert wie persönlich bescheiden – in diesem Jahr hervorgebracht hat. Zwei weitere Forschungsgruppen gewannen erste Preise, acht weitere gingen als Zweit- und Drittplatzierte aus dem Wettbewerb hervor „Anwendungsorientierte Untersuchung der photobiologischen Wasserstoffproduktion von Chlamydomonas reinhardtii“ lautet der offizielle Titel der Forschungsarbeit.

Wikipedia weiß über die Grünalge zu berichten, dass sie 14 bis 22 Mikrometer groß und von fast kugeliger Gestalt ist. Mit zwei gleich langen Geißeln bewegt das possierliche Teilchen sich lichtgesteuert fort. Die Schläge der Geißeln erfolgen nacheinander, und zwar mit einer kleinen Verzögerung. Sie ist weltweit verbreitet und lebt im Süßwasser, vor allem in nährstoffreichen Kleingewässern.

Einen Lebensraum hat sie auch im komplizierten Versuchsaufbau der Fast-Abiturienten. Worum geht es bei dem Forschungsprojekt genau? „Die Grünalge hat die Fähigkeit, in Stresssituationen Wasserstoff zu produzieren. Normalerweise tut sie das nicht, nur wenn man ihr Schwefel entzieht“, erklärt Søren Pfitzner. Diese Eigenschaft könne möglicherweise zur alternativen Energiegewinnung von Bedeutung sein. „Es geht uns allerdings nicht um die Produktion großer Mengen Wasserstoff, sondern darum, den Prozess zu optimieren und ihn irgendwann anwendungsnäher machen zu können. Bei der alternativen Energiegewinnung sind dann die Mengen wichtig“, präzisiert Johannes Wüllenweber. Er hatte schon 2010 auf sich aufmerksam gemacht, als der damalige Neuntklässler mit seinen Forschungen über abbaubare Kunststofffolien drei Jahre ältere Kontrahenten bei „Jugend forscht“ ausstach. Jene Folien sind nun allerdings tot und begraben, wie er ohne Bedauern zugibt.

Die beiden Jungs bereiten sich und ihre Grünalge derzeit auf den Landeswettbewerb am 4./5. April vor, bei dem eine Wettbewerbsjury ihre wissenschaftliche Arbeit bewertet. Und wie stehen die Chancen? „Ein weiterer Versuch steht noch aus“, gibt das Team sich geheimnisvoll und fügt hinzu: „Der Ausgang des Wettbewerbs ist schwer einzuschätzen, und es kann in dieser Stufe auch mehrere erste Preise geben.“ Später, im Bundeswettbewerb – wir drücken die Daumen – gibt es dann ein Siegerteam. Rund eineinhalb Jahre haben die Algenforscher schon investiert, wöchentlich ein bis zwei Nachmittage. „Es macht Spaß!“ betont Søren Pfitzner. „Und wir können es als besondere Lernleistung ins Abi einbringen.“

Teamwork wird großgeschrieben: „Unsere Zusammenarbeit klappt gut“, bestätigt sein Partner. Johannes hatte zuvor in einem Wissenschaftsmagazin gelesen, dass sich einige Forschungsgruppen mit der Wasserstoffproduktion der Grünalge beschäftigen und fand, dass es als „Jugend forscht“-Thema passt, wobei viele andere versuchen, die Alge genetisch zu verändern. Glücklicherweise fand sich ein Start-up-Unternehmen in Herten namens Blue Sens gas sensor GmbH, das den Jugendlichen die notwendigen Messgeräte zur Verfügung stellte.

Logisch, dass beide nachdem Abitur, dessen schriftliche Prüfungen schon hinter ihnen liegen, weiter in diese Richtung gehen wollen. Biologie oder Biochemie sind als Studienfächer angedacht, gern auch im Ausland. Ob danach fachliches Arbeiten, Forschung oder Management folgen, steht noch in den Sternen.

Bildunterschriften:
Søren Pfitzner (links) und Johannes Wüllenweber vor ihrem „Jugend forscht“-Stand beim Regionalwettbewerb im Februar 2013. (Foto: hfr.)
Neben ihrem Forschungen betreiben die Gymnasiasten noch andere Hobbies: Søren spielt Golf und fechtet, Johannes läuft, spielt Tennis sowie Klavier und Saxophon. (Foto: Kerstin Harder-Leppert)

 

 

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