Der Elternrat war Mitinitiator der „Sozial AG“, eines Projektes, das sich als Ergänzung zum Sozialcurriculums der Schule versteht und auch den Blick der Schülerinnen und Schüler für soziale Probleme schärfen soll. Ein Interview mit der 2. Elternratsvorsitzenden Swea Lohse.

GOA News: Frau Lohse, wie kam es zum Projekt „Sozial AG“ und was dürfen wir darunter verstehen? Worum geht es genau?

Swea Lohse: „Ich versuche es einmal zusammenzufassen, auch wenn es schwerfällt, eine zweijährige Arbeit hier kurz und knapp darzustellen. Es war insbesondere das Anliegen des Elternrats, am GOA – ein Gymnasium, das vorrangig eine gut situierte Schülerschaft hat –  das Bewusstsein für soziale Themen zu schärfen. Dr. Widmann war demgegenüber ebenfalls aufgeschlossen und daran interessiert, ein mögliches Leuchtturmprojekt zu installieren. Zunächst war komplett offen, in welche Richtung sich dieses Vorhaben entwickeln würde, und auch die Vorstellungen innerhalb der Arbeitsgruppe waren durchaus kontrovers. Die „Sozial AG“ – bestehend aus einer Lehrergruppe (zwischen 3 und 5 Vertreter), Dr. Widmann sowie zwei ER-Mitgliedern (Frau Ziegler und ich) – eruierte insofern verschiedene Themenfelder wie u.a. Flüchtlinge, Afrika, sozial Benachteiligte, Behinderung und legte sich nach Abwägung verschiedenster Argumente auf Menschen mit Behinderung im regionalen Umfeld fest. Allerdings mussten wir schnell feststellen, dass es zwar unzählige bedürftige Institutionen gibt, aber keine für uns passende, denn das Ziel war es vor allem, den rund 800 Schülern persönliche Erfahrungen durch unser soziales Projekt/ihr soziales Engagement zu ermöglichen: Keine „einfache“ Geld/Spenden Sammelaktion (also nicht unbedingt die materielle Seite) sollte im Vordergrund stehen allenfalls begleitend helfen. Doch es war keine soziale Einrichtung in erreichbarer Nähe zur Schule zu finden, die diesen Anspruch der persönlichen Erfahrungen leisten konnte, so dass wir letztlich einen ganz anderen Weg eingeschlagen haben.“

 

GOA News: Das GOA hat doch bekanntlich ein Sozial Curriculum. Wie genau passt nun das Projekt Sozial AG oder soziales Engagement in diesen Rahmen?

Swea Lohse:„Das Sozial Curriculum des GOA ist seit vielen Jahren existent und soll weiterhin als Grundlage für ein soziales Leben an der Schule und innerhalb der Schulgemeinschaft dienen. Das ist auch gut so. Es ist uns ein großes Anliegen, den Kindern etwas vielfältigere Eindrücke zu ermöglichen, damit sie ihr persönliches Leben mehr wertschätzen und einen Blick für andere Menschen entwickeln, die möglicherweise in weniger guten Verhältnissen leben. Vor allem ist es aber unser Ziel, dass ALLE Goaner die Chance haben, altersgerecht soziale Erfahrungen zu sammeln, unabhängig von den jeweiligen Interessen und den persönlichen Engagements der einzelnen Lehrer – teils ist also das Ergebnis der Sozial AG additiv zu sehen, teils nur in Ergänzung.“

 

GOANews: Brauchen die Schülerinnen und Schüler des GOA ein solches Projekt? Heißt konkret: Sind unsere Schülerinnen und Schüler zu wenig sozial engagiert?

Swea Lohse: „Nein, das heißt es sicherlich nicht und wir wollen auch keinesfalls behaupten, dass unsere Kinder unsozial sind oder ohne jegliches soziales Engagement leben. Aber etwas mehr Einblicke in andere Lebenswelten und schulseits geförderte Maßnahmen können bestimmt nicht schaden in unserer so schnelllebigen, ziel- und leistungsorientierten Gesellschaft. Soziale Missstände und auch ggf. ökologische Probleme, die Berücksichtigung bzw. Wahrnehmung von Anliegen von Minderheiten und/oder vom Schicksal schlechter gestellte Personengruppen müssen wir fortwährend im Blick behalten und thematisieren, um eine ‚gesündere‘ Zukunft für alle zu ermöglichen, das ist unser primäres Ziel.

 

GOANews: Wie genau soll man sich die Einbindung des sozialen Gedankens in die Klassenstufen vorstellen? Bestehen Ideen oder Projekte, die den sozialen Gedanken vertiefen?

Swea Lohse: „Ja, wir haben mittlerweile ein Konzept, das für alle Klassenstufen jeweils altersgerechte Schwerpunkte setzt. Entsprechend wird es zum Beispiel in Klasse 6 einen Tag geben, an dem alle 6ten Klassen einen Sportparcours in der Sporthalle absolvieren und so kennenlernen, wie es sich anfühlt, im Rollstuhl zu fahren und wie man als „Blinder“ in Abhängigkeit steht und Vertrauen aufbauen muss.“

 

GOANEWS: Welche Funktion hat der Elternrat bei der Umsetzung der Sozial AG gespielt? Oder spielt er immer noch?

Swea Lohse: „Hier will ich einmal vorsichtig formulieren, dass wir vom Elternrat die Sozial AG initiiert und dann immer wieder angetrieben haben. Gemeinsam mit Frau Schrader und Herrn Dr. Widmann ist es uns nun endgültig gelungen, erkennbare Ergebnisse zu erzielen, die am GOA seit diesem Schuljahr in die Testphase der Umsetzung gehen, und selbstverständlich werden wir das erste Jahr der Etablierung begleiten und möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt eine Überprüfung anstoßen.Wir freuen uns auf hoffentlich viele positive Erfahrungen seitens der Schüler und danken der Lehrerschaft für die Umsetzung und ihr Engagement!

GOA News: Vielen Dank, Frau Lohse, dass Sie sich Zeit für die Beantwortung unserer Fragen genommen haben!

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