Unsere Lateiner-Tradition führte uns auch in diesem Jahr wieder ins „Kleine Rom“.
Neben einer richtig guten Jugendherberge im WM-Fieber, der rauschenden Mosel direkt daneben und einer Innenstadt voller antiker Zeugnisse, gepaart mit vielen christlichen Spuren und gelassener pfälzischer Lebensart, gab es einen Tagesausflug in die weinbehängte Umgebung zu einer ausgegrabenen und einer rekonstruierten römischen Villa und der berühmten Saarschleife. Dass die Deutsche Bahn auf der Rückfahrt ihr Klischee mehr als erfüllt hat, sahen wir nach dieser eindrucksvollen Woche gelassen.
Was uns am persönlich am stärksten begeistert hat? Einfach hier weiterlesen …
Claudia Seeler
Was hat uns besonders beeindruckt?
Uns hat besonders beeindruckt, dass trotz vieler Umbauten und Zerstörungen noch so viel von der alten Stadt erhalten geblieben ist. Besonders interessant fanden wir, wie gut die historischen Gebäude und Bauwerke restauriert wurden. Außerdem haben uns die günstigen Eispreise überrascht, da man für wenig Geld ein leckeres Eis bekommen konnte.
Was haben wir Neues erfahren?
Die Porta Nigra wurde damals als römisches Stadttor genutzt, bis es im Mittelalter durch den Umbau in eine Doppelkirche von Eremit Simeon vom Abriss bewahrt. Fast 800 Jahre blieb die Kirche unberührt und erst als Napoleon nach Trier kam und 1804 befahl die Kirche wieder zum Stadttor umbauen zu lassen, wurde die Porta Nigra in ihre Ursprungsform zurückversetzt. So ist es möglich, dass wir die Porta Nigra heute noch als Tor besichtigen können.
Welches Erlebnis werden wir wohl lange in Erinnerung behalten?
Besonders lange in Erinnerung behalten werden wir die Erlebnisführung durch die Porta Nigra am letzten Tag, die für einen krönenden Abschluss unserer Reise gesorgt hat. Von einem Zenturio wurden wir durch das Innere der Porta Nigra geführt, um uns den damaligen Nutzen und den damaligen Ablauf in der Porta Nigra auf spannende Art und Weise näherzubringen. Und obwohl sich die Porta Nigra derzeit in Restauration befindet, konnten wir durch die erlebnisreiche Führung tolle Eindrücke von ihr sammeln.
Was ist unser Lieblingsmotiv von dieser Reise?
Als Motiv der Reise, haben wir uns für das Mosaik von Nennig entschieden. Nicht nur war es einfach nur beeindruckend und interessant, sonder es hat auch nochmal klargemacht, wie viel Wissen wir eigentlich aus diesen Überbleibseln gewinnen. In diesem Fall: Der Ablauf der Gladiatorenkämpfe.
Unter welchem lateinischen Sprichwort, Satz, Wort “speichere” ich diese Reise?
Mit unserer Reise verbinden wir den lateinischen Spruch „Vita brevis, ars longa.“ Das bedeutet „Das Leben ist kurz, die Kunst ist lang.“ Wir finden, der Spruch passt gut zu Trier, weil viele Bauwerke und Kunstwerke schon sehr alt sind und trotzdem noch heute erhalten sind. Dadurch konnten wir sehen, wie etwas, das vor sehr langer Zeit entstanden ist, noch heute beeindruckend sein kann.
Die historische Stadt Trier begeisterte uns mit ihren zahlreichen beeindruckenden Bauwerken aus der Römerzeit. Das absolute Highlight unserer Reise war jedoch die Erlebnisführung durch das antike Amphitheater. Während der Tour boten sich uns völlig neue Perspektiven: Wir konnten die Ränge bewundern und von den oberen Sitzbänken aus den herrlichen Ausblick auf die angrenzenden Weinberge genießen. In der Mitte des Amphitheaters spürte man zudem den unverwechselbaren Genius loci – den Geist des Ortes – und wie hervorragend die Architektur den Schall im gesamten Rund verbreitete.
Das wahre Herzstück lag allerdings im Verborgenen. Unser Guide führte uns direkt in die Unterwelt des Bauwerks – exakt dorthin, wo die Kulissen und die ausgefeilte Technik der Antike vor den Augen der damaligen Zuschauer verborgen blieben. Hier wurde das berühmte Prinzip von »Panem et circenses« (Brot und Spiele) greifbar. Neben den endlos erscheinenden Gängen faszinierte uns besonders die Geschichte hinter den Kulissen.
Durch die mitreißende Erlebnisführung erwachte die antike Geschichte zum Leben. Wir fühlten uns direkt in den Alltag eines Kämpfers zurückversetzt, denn wir erlebten die Tour durch die Augen des Gladiators Valerius. Durch seine spannende Geschichte erfuhren wir hautnah von allen Höhen und Tiefen des Gladiatorendaseins. Unser Guide bzw. Schauspieler verkörperte die Rolle des absolut überzeugend.
Unser Highlight: Die Kaiserthermen
Unser Highlight waren ganz klar die Kaiserthermen. Deren riesiges Areal erstreckt sich über eine Fläche von mehr als fünf Fußballfeldern. Von außen sieht man bereits die riesige Apsis – die Ruinen des über zehn Meter hohen Baus, welcher das Caldarium umgab. Doch vor allem die unterirdischen Strukturen der Anlage haben uns beeindruckt. Während oberirdisch nur etwa fünf Prozent der Anlage erhalten sind, sind es unterirdisch noch über fünfzig Prozent. Hier haben uns die (durchaus etwas beklemmenden) Gänge und Räume fasziniert und insbesondere der bereits beachtliche technische Fortschritt des römischen Ingenieurwesens. Beeindruckend fanden wir den enormen Aufwand, um die Fußbodenheizung zu betreiben und die riesigen Wassermassen bereitzustellen und zu lenken. Was uns bei der Führung außerdem überraschte, war die Tatsache, dass tatsächlich alle Bevölkerungsschichten (zum Teil auch Sklaven, was angesichts des Leidens, welches sie sonst bei der Arbeit in der Therme erlitten uns sehr ironisch vorkam) die Thermen nutzen durften. Somit kann man die Thermen wohl durchaus als einen der Orte bezeichnen, wo es zum seltenen Austausch verschiedener Schichten der römischen Gesellschaft kam. Summa summarum kann man wohl sagen, dass die Römer damals technisch schon ganz schön weit waren!