Der Theaterkurs 1 der S4 unter der Leitung von Dagmar Reichle präsentiert am Mittwoch, 25.3. und Donnerstag, 26.3.2026 um jeweils 19.30 Uhr ihre Produktion „Zeitsplitter“ (22 Szenen zum Thema „Zeit“) in der Aula.
Elisa Frankowski aus dem Kurs schreibt dazu:
Unser Alltag ist geprägt von Terminen, Deadlines und ständigem Blick auf die Uhr. Die Zeit ist wie ein Taktgeber unseres Alltags: kein anderes Konzept bestimmt unser Leben so sehr wie die Zeit, doch scheint niemand je genug davon zu haben. In unserem Stück „Zeitsplitter“ rückt genau sie in das Zentrum des Geschehens. Szene für Szene zeigt das Stück Menschen, die versuchen, mit ihr Schritt zu halten – und dabei immer wieder stolpern.
Da ist zum Beispiel die erschöpfte Klientin in der Therapie. Sie sitzt ihrem Therapeuten gegenüber und wirkt müde, vielleicht sogar überfordert. Und dennoch fällt es ihr schwer, sich das einzugestehen. Anstatt innezuhalten, erzählt sie davon, dass sie einfach weitermachen muss. Aufhören ist keine Option, schließlich wartet die Welt nicht. Es ist einfach, sich in der Klientin wiederzuerkennen. Es gibt täglich so viel zu tun, doch man wird nie fertig: Die Wäsche stapelt sich, das Essen muss gekocht werden und die Arbeit erledigt sich auch nicht von selbst. Die Zeit scheint mitzuhören, drängend und ungeduldig.
In einer anderen Szene sehen wir Figuren, die scheinbar nichts tun außer auf einen Bus zu warten. Minuten vergehen, Worte bleiben aus, und doch liegt eine spürbare Spannung in diesem Moment. Jeder verbringt seine fünf Minuten an dieser Bushaltestelle anders. Einer ist hektisch, eine ist ganz ruhig und eine andere scheint einfach nur ihr Leben zu genießen. Es zeigt: Die Zeit vergeht für jeden gleich schnell, doch die Dinge, für die sie genutzt wird, liegen ganz bei einem selbst.
Eine weitere Szene stellt eine Begegnung zwischen zwei Männern dar. Sie führen ein Gespräch, doch ihre Worte finden keinen gemeinsamen Rhythmus. Fragen werden gestellt, ohne dass echte Antworten folgen, als wären beide gedanklich schon beim nächsten Moment. „Grad war noch Weihnachten” sagen sie, doch gehen beide Akteure unterschiedlich damit um. Während der eine gestresst ist und der Zeit hinterherläuft, scheint der andere ganz ruhig seine Zeit zu genießen.
Aber auch andere Figuren auf der Bühne stehen unter dem Einfluss der Zeit. Menschen, die sprechen, aber nicht wirklich zuhören. Menschen, die antworten, bevor die Frage zu Ende gestellt wurde. Ihre Worte wirken gehetzt, als gäbe es keine Zeit zu verlieren. Sie alle zeigen, wie leicht der Moment verloren geht, wenn der nächste schon wartet.
Jeder Mensch trägt seine eigenen Zeitsplitter in sich. Manche versuchen, mit der Zeit Schritt zu halten. Andere scheinen ihr hinterherzulaufen. Und wieder andere merken vielleicht zum ersten Mal, wie sehr sie von ihr bestimmt werden. Dabei wird die Bühne zum Spiegel unseres Alltags.
Unsere Inszenierung stellt genau diese Menschen in den Mittelpunkt. Sie zeigt ihre Unsicherheiten, ihren Druck, aber auch ihre leisen Zweifel. Denn vielleicht kennen wir sie alle. Vielleicht sind wir selbst manchmal diese Person, die sagt: „Ich habe keine Zeit“, obwohl sie sich eigentlich nach einem Moment der Ruhe sehnt.
„Zeitsplitter“ ist deshalb nicht nur ein Stück über Zeit, sondern über uns. Über das Gefühl, funktionieren zu müssen. Über den Wunsch, kurz stehen zu bleiben. Und über die Hoffnung, dass zwischen all den Sekunden und Minuten auch Raum bleibt – für uns selbst.








































