„Inszenierung, echt oder beides?“
Früher einmal machte ich, wenn ich abends nach Hause kam, meinen Fernseher an und guckte mir meine Lieblingsrealityshow an. Ich lachte über Personen, fieberte mit anderen und fand wieder andere dramatisch, wenn es zu einem unnötigen Streit kam.
Klappe die Erste, noch einmal, weitermachen, Stopp, wiederholen, mehr Dramatik, Klappe die Zweite, mehr Emotionen, wiederholen.
Wenn ich heute abends nach Hause komme, meinen Fernseher anmache und eine Reality Show gucke, schwirren mir diese Dinge immer noch im Kopf herum. Ich lache nicht über Personen, weil ich denke, dass es gescripted ist, ich fiebere nicht mit anderen mit, weil ich denke, dass das meiste vorgegeben wird, und ich finde andere weniger dramatisch, weil ich denke, dass sie wahrscheinlich dazu aufgefordert wurden, durch Dramatik die Spannung zu erhöhen.
Anstatt Freude, Humor und Ablenkung verbinde ich mit Reality Shows nun Begriffe wie Realität und Irrealität, Inszenierung und Echtheit und Wahrheit und Lüge. All diese Begriffe haben etwas für mich gemeinsam. Sie sind nicht leicht greifbar und oft schwierig voneinander zu unterscheiden. Es ist von früher zu heute etwas für mich verloren gegangen, was die Reality Shows sich hatten. Sie werden von mir nicht mehr einfach so genossen, sondern hinterfragt, analysiert und bewertet.
War das gescripted? Ist das jetzt echt? Ist diese Person so wirklich?
All diese Fragen stelle ich mir, wenn ich jetzt an Reality Shows denke. Ich probiere genau hinzugucken und mich zu fragen: „Wessen Realität ist das eigentlich?“. Das Schlimmste an allem ist, dass ich auch angefangen habe mich selbst zu hinterfragen.
Wer bin ich eigentlich wirklich? Bin ich manchmal auch dabei, mich zu inszenieren? Und wann bin ich denn überhaupt vollkommen echt? Vor allem durch meine Arbeit im Reality Format sind aus einem früheren Traum ganz viele Fragen entstanden. Ich erlebe hautnah, wie es ist, sich inszenieren zu müssen, eine scheinbar reale Situation gescripted spielen zu müssen und im Endeffekt nicht mehr richtig zu wissen, ob die Person vor der Kamera wirklich man selbst ist oder nur eine vorgegebene Rolle.
Heute weiß ich, dass mein Traum vielleicht ein Traum hätte bleiben sollen, da die Wahrheit hinter Reality Shows meine Sicht auf sie verändert und mich mit vielen Fragen ohne Antworten zurückgelassen hat, die mich an meiner Wahrnehmung von Realität und Irrealität zweifeln lassen. Hast du eine Antwort darauf, wie man zwischen Realität und Irrealität unterscheiden kann, wenn es doch so subjektiv ist?
Julia Weißhuhn