Fünf Tage deutsche Geschichte in Berlin

Vom 7. bis 11. September 2026 ging es für unsere Reisegruppe des Gymnasiums Oberalster nach Berlin – fünf Tage zwischen deutscher Geschichte, aktueller Politik, Kultur und der beruhigenden Erkenntnis, dass auf einer Studienfahrt offenbar niemand verhungern muss.
Nach der ICE-Fahrt von Hamburg und dem Einchecken im Hotel startete die Woche mit einem Rundgang unter dem Motto „Geschichte und Gegenwart – Tragödien, Skandale und Langweiliges“. Zum Glück hielt sich Letzteres in Grenzen. Anschließend ging es zum gemeinsamen Abendessen, sodass auch die kulinarische Seite Berlins gleich am ersten Tag berücksichtigt wurde.
Am Dienstag wurde es politisch. Im Politischen Archiv des Auswärtigen Amtes konnten wir anhand von Originalakten einen Blick hinter die Kulissen deutscher Außenpolitik werfen. Dabei gab es sogar die einzige erhaltene Kopie des Wannsee-Protokolls zu sehen. Danach ging es in den Bundestag zu einem Gespräch mit dem Bundestagsabgeordneten Dr. Christoph Ploß. Dieser nahm sich viel Zeit für uns. Am Abend nahmen wir an der Tour „Unterirdisch in die Freiheit“ bei den Berliner Unterwelten teil. Dort wurden Fluchtgeschichten aus der Zeit der deutschen Teilung auf anschauliche Weise vermittelt. Und natürlich blieb zwischen den Programmpunkten und danach genügend Zeit für das, was auf Studienfahrten offenbar ebenfalls zur politischen Grundversorgung gehört: Essen und Ausruhen.
Der Mittwoch begann mit einem Workshop in der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Nach zwei konzentrierten Stunden folgte ein ausgesprochen großzügiger Freiraum bis zum Abend, allerdings mit der Verpflichtung zu einem (gesponserten) Museumsbesuch. Damit waren Mittagessen, Kaffee, ein zweites Mittagessen oder auch einfach ein ausgedehnter Streifzug durch Berlin problemlos möglich. Am Abend wartete einer der Höhepunkte der Fahrt: das Kabarett-Theater DISTEL. Bei „Die Klöckner von Instagram“ wurde die aktuelle Politik ordentlich auf die Schippe genommen. Besonders die Merz-Parodie blieb vielen in Erinnerung. Politische Bildung einmal in einer Form, bei der man ausdrücklich lachen durfte.
Am Donnerstag führte die Reise nach Potsdam. Zunächst besuchten wir die Gedenkstätte Lindenstraße, deren Geschichte als Gefängnis verschiedene deutsche Diktaturerfahrungen unmittelbar greifbar machte. Danach ging es zum Neuen Palais im Park Sanssouci – immer wieder durch Kurzvorträge von Dr. Schröder unterbrochen, den wir richtig bremsen mussten, um nicht zu spät zu kommen. Wir erreichten das Neue Palais auch im letzten Moment… Die Führung durch eine Studentin war dabei ein echter Glücksfall: kenntnisreich, lebendig und angenehm weit entfernt von einer bloßen Aufzählung von Jahreszahlen und preußischen Herrschern. So wurde aus Geschichte tatsächlich eine unterhaltsame Führung. Anschließend blieb erneut reichlich freie Zeit, bevor wir am Abend vom Berliner Fernsehturm aus die Hauptstadt bei Nacht betrachten konnten.
Der Freitag brachte schließlich einen weiteren Höhepunkt: den Besuch einer Plenarsitzung des Deutschen Bundestages. Ausgerechnet eine Debatte zur Sozialpolitik stand auf der Tagesordnung – Politik also nicht aus dem Schulbuch, sondern live, mit Reden, Zwischenrufen, Zustimmung und Widerspruch. Nach mehreren Tagen, in denen wir über deutsche Geschichte und Politik gesprochen hatten, konnten wir nun unmittelbar erleben, wie parlamentarische Auseinandersetzung tatsächlich funktioniert.
Und weil selbst Demokratie hungrig macht, folgte anschließend ein Essen im Besucherrestaurant des Bundestages. Überhaupt muss festgehalten werden: Die Sorge, auf dieser Reise könne jemand zu wenig Gelegenheit zum Essen bekommen, erwies sich als völlig unbegründet. Freiräume, Mittagspausen, gemeinsame Abendessen und individuelle Essenszeiten waren so großzügig vorhanden, dass Hunger höchstens als historisches Thema eine Rolle spielte.
Am Freitagnachmittag ging es schließlich mit dem ICE zurück nach Hamburg. Hinter uns lagen fünf intensive Tage mit Auswärtigem Amt, Bundestag, Berliner Unterwelten, SED-Aufarbeitung, Kabarett, Potsdam, Neuem Palais und Fernsehturm. Die Fahrt verband Geschichte und Gegenwart, ernste Themen und politischen Humor – und ließ gleichzeitig genug Raum, Berlin selbst zu entdecken. Dass dabei auch das Vergnügen und die Verpflegung nicht zu kurz kamen, dürfte niemand aus der Reisegruppe ernsthaft bestreiten.

PGW-Profil