Wie nachhaltig ist die Hafencity Hamburg?

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Im Rahmen unseres aktuellen Themas „Raumplanung“ im Fach Geographie unternahmen wir am 27.01.2020 eine Exkursion in die Hamburger Hafencity unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit. Den Schülerinnen und Schüler wurden jeweils ein Quartier zugeteilt, über welches sie sich vorab informierten. Während der Tour stellen sie den Mitschülern dann nicht nur die Fakten und Zahlen, sondern auch die in dem Quartier vorkommenden Sehenswürdigkeiten vor.

Ausgangspunkt der Exkursion war die im Elbtorquartier gelegene und für ihre Lichtinstallation preisgekrönte Bahnstation „Universität Hafencity“. Energiesparende LED-Lampen hinter Milchglasverkleidungen und lichtreflektierende Metallplatten sorgen hier für Lichtstimmungen, die sich der Tages- oder Jahreszeit bzw. dem Wetter anpassen. Dabei ist die Form der Leuchtcontainer optisch an Hafencontainer angelehnt. Nur wenige Meter von der U-Bahnstation entfernt und durch die bekannte Baakenhafenbrücke vom Elbtorquartier getrennt haben wir uns zunächst von einer im Baakenhafen gelegenen Aussichtplattform einen Überblick über die gesamte Hafencity verschafft. Von diesem 13 m hohen, an eine Krananlage erinnernden metallenen Turm konnte man neben den bekannten zentralen Bauwerken, wie die Elbphilharmonie und den mit dem Umweltzeichen HafenCity in Gold ausgezeichneten Unilever- und Spiegelverlag-Häusern, sehr gut die bauliche Entwicklung insbesondere in den östlichen Quartieren der Hafencity erkennen. Durch die Vielzahl an Baustellen in diesem Bereich wurde noch einmal bewusst, dass die Hafencity ein noch sehr junger Stadtteil und zudem das größte nachhaltige Bauprojekt Deutschlands ist. Von der Aussichtsplattform sind wir zurück über die Baakenhafenbrücke, welche 2013 im Hinblick auf Aufenthaltsqualität für Fußgänger, Ästhetik, technische Qualität sowie Nachhaltigkeit als Bauwerks des Jahres ausgezeichnet wurde, zur Hafencity-Universität gelaufen. Diese gilt als Musterbeispiel für nachhaltiges und energieeffizientes Bauen u.a. aufgrund der Verwendung von Solarenergie, wärmeeinsparender Dreifachverglasung und einer Fassadengestaltung mit integrierter Photovoltaikanlage. Auffällig waren neben den vielen Glasfronten auch die zum Klimakonzept passende große Menge an Fahrradständer und Elektrorollern vor dem Gebäude. Die wassersparenden bzw. wasserlosen Sanitäreinrichtungen in dem Gebäude konnten wir leider nicht ausprobieren.
Erholung bot der anschließende Aufenthalt im dem angrenzenden 4,4 Hektar großen Lohsepark mit seinen mit Solarplatten bestückte Mülleimer, mit deren Energie der Müll direkt nach dem Einwurf komprimiert wird und der Besuch des „Torrefaktums“, einer Bio-zertifizierten Kaffeerösterei. Gut gestärkt nach Kaffee und Kuchen ging es weiter auf den Spuren der Nachhaltigkeit Richtung „Internationales Maritimes Museum Hamburg“. Auf dem Weg dorthin konnten wir am Dach des mit dem Umweltzeichen HafenCity in Gold ausgezeichneten Spiegel-Verlags-Gebäudes im Quartier „Brooktorkai“ Solaranlagen erkennen. Auch fielen drei Windräder auf dem Gebäude „Elbarkaden“ auf, welches hierdurch zu einem der nachhaltigsten Bürogebäude Europas zählt und aktuell den Sitz der Greenpeace –Zentrale beherbergt. Nach einem Gruppenfoto vor dem Maritim Museum sind wir zum gegenüberliegenden „Überseequartier“ gewechselt, welches das besucherintensivste Quartier der Hafencity ist, und durch das Vorhandensein vieler Geschäfte geprägt ist. Durch Recherche konnten wir herausfinden, dass sich das Überseequartier einmal als Zentrum der Hafencity herausbilden soll. Es ist ein innenstädtischer Einzelhandels-, Gastronomie-, Freizeit-, Dienstleistungs- und Wohnschwerpunkt als Ergänzung zu den bereits vorhandenen Angeboten in der City geplant. Jedoch waren wir verwundert, dass kaum Supermärkte vorhanden sind, zumal verblüffenderweise immerhin 24,2% Haushalte mit Kindern in der Hafencity leben. Im Vergleich hierzu liegt der Durchschnitt in ganz Hamburg bei 17,8%. Die niedrige Anzahl an Supermärkten könnte mit den sehr hohen Preisen und Büro- und Gewerbeflächen zusammenhängen. Diese liegen mit 21,1 Euro pro Quadratmeter deutlich über dem Hamburger Durchschnitt mit 16,8 Euro pro Quadratmeter. Aber auch die Preise für Miet- und Eigentumswohnung liegt deutlich über dem Hamburger Durchschnitt. So liegt der Preis für eine Eigentumswohne beispielsweise bei 7800 Euro pro Quadratmeter im Vergleich zum Hamburger Durchschnitt von 4400 Euro pro Quadratmeter.

In dem direkt angrenzenden Quartier „Am Sandtorpark/Grasbrook“, welches nicht nur ein beliebter Standort internationaler Unternehmen ist, sondern mit einer Grundschule, vielen größeren Wohnungen und zwei kleinen Parks auch ein Ort für Familien darstellt, wurde das Umweltzeichen Hafencity in Gold für den Bau der fünfgeschossigen Katharinenschule verliehen. Ungewöhnlich ist die Lage des Schulhofes auf dem Dach des Gebäudes. Ein vier Meter hohes Netz dient nicht nur als Schutz, sondern gleichzeitig auch als Rankgerüst für Pflanzen. Auffallend an der Schule sind auch die schrägen Fensterlaibungen mit integrierten Lüftungslamellen, die Verwendung von Solarenergie und ähnlich wie bei der Hafencity Universität der Einsatz von wasserlosen Urinale in der Schule, um den Wasserverbrauch zu verringern.

Anschließend haben wir uns das Quarteier „Strandkai“ angeschaut. Dieses Gebiert ist ausschließlich von Büro oder Wohngebäuden gekennzeichnet. Zentral in diesem Quartier befinden der Marco-Polo-Tower und das Unilever-Gebäude, wobei letzteres ebenfalls mit dem Umweltpreis ausgezeichnet wurde. Durch die Lage dieses Quartiers direkt an der Elbe ist es jedoch hochwassergefährdet, wodurch es bereits zu Überschwemmungen der Marco-Polo-Terrassen kam. Die hierdurch potentiell entstehenden Schäden und notwendigen Reparaturen widersprechen allerdings dem Aspekt der Nachhaltigkeit.

Zuletzt haben wir das Quartier „Am Sandtorkai/Dalmannkai“ mit dem neu entstandenen Wahrzeichen Hamburgs, der Elbphilharmonie, besichtigt. Der einst für Kaffee genutzte Ziegelspeicher dient dabei als Fundament für die Glasfassade der Elbphilharmonie. Die Elbphilharmonie macht sich ihre Lage am Wasser zunutze. Das Wasser der Elbe dient als Kühlmedium. Auch die alleinige Verwendung von LED-Lampen als Leuchtmittel und die großen Glasfronten mit den silberfarbenen Pixelpunkten tragen zur Energieeffizienz bei.
Zum Abschluss hatten wir noch einmal die Gelegenheit von der Plaza der Elbphilharmonie alle Quartiere der Hafencity im Überblick betrachten zu können und die zentrale Aspekte der Nachhaltigkeit Revue passieren zu lassen. Trotz der vielen positiven Aspekte der Nachhaltigkeit im Bereich Ökonomie und Ökologie haben wir im Nachhinein festgestellt, dass der Aspekt des Sozialen in der Hafencity nicht vollständig berücksichtigt wurde. Zwar gibt es bereits Sozialwohnungen, jedoch ist der prozentuale Anteil mit 3,4% sehr gering und ausbaufähig. Zudem ist die Hafencity ein Gebiet, in dem aufgrund der sehr hohen Miet- und Immobilienpreise keine soziale Durchmischung vorliegt, da sich viele die Grundstücke, Wohnungen und Mieten nicht leisten können. Dies lässt sich sowohl in der Bevölkerungsdichte als auch in der Altersstruktur erkennen, denn es leben überwiegend Menschen im Alter von durchschnittlich 30,5 Jahren in der Hafencity. Zudem gibt es nur eine Grundschule und keine weiterführende Schule in der Hafencity.

Zusammenfassend war die Exkursion eine sehr gute Möglichkeit am Beispiel der Hamburger Hafencity unser Thema „Raumplanung mit dem Schwerpunkt Nachhaltigkeit“ praktisch erfahren bzw. nachvollziehen und damit zuvor bereits kennengelernte Aspekte vertiefen zu können.

Von Lena Polensky, S1