PGW-Planspiel zum Syrienkonflikt

In den vergangenen Wochen beschäftigten sich die 10. Klassen im PGW-Unterricht mit dem Syrienkonflikt, den Folgen des Arabischen Frühlings und der Rolle verschiedener Staaten und Akteure im Nahen Osten.

Den Einstieg bildete vor zwei Wochen der Besuch eines Jugendoffiziers der Bundeswehr. Er erklärte uns die Hintergründe des Syrienkonflikts, die Entstehung und Rolle des sogenannten „Islamischen Staates“ (IS) sowie die Interessen der beteiligten Länder. Diese Einführung schuf eine wichtige Grundlage für das anschließende Planspiel.

Vom 2.2. bis zum 5.2. hatten die 10. Klassen nun die Chance, jeweils einen Tag lang die Rolle internationaler Politiker einzunehmen. Für jede Nation gab es einen Regierungschef und einen Staatsminister. Vertreten waren Saudi-Arabien, die Türkei, der Iran, Russland, Syrien, der Irak, Frankreich, die USA sowie die kurdische Volksgruppe. Diese hatte allerdings nur begrenzten Einfluss auf das Geschehen. Zusätzlich gab es einen UN-Generalsekretär, der den gesamten Tag über die Reden, Diskussionen und den Sicherheitsrat leitete.

Jede Nation hatte zunächst Zeit, sich mit den Zielen, Forderungen und Problemen ihres Landes auseinanderzusetzen. Anschließend hielten die Regierungschefs eine Rede vor der Generalversammlung, in der sie die Probleme ihres Landes und ihre Zielsetzungen vorstellten.

Nachdem alle Reden gehalten worden waren, begann die erste Beratungsphase. Hier fanden sich erste Verbündete, und es wurden Ideen entwickelt, wie die Ziele mit den zur Verfügung stehenden Mitteln erreicht werden könnten.

Daraufhin startete der erste Durchgang des Sicherheitsrates. Hier wurden Beschlüsse diskutiert, angenommen oder abgelehnt. Da wir merkten, dass uns für weitere Lösungen noch Gespräche fehlten, folgte eine zweite, längere Beratungsphase. In dieser entwickelten viele Staaten gemeinsam einen vielversprechenden Plan. Dieser konnte jedoch in der anschließenden Sitzung des Sicherheitsrates trotz vieler Diskussionen und Überzeugungsversuche nicht durchgesetzt werden. Der Grund dafür war das Vetorecht der USA, Frankreichs und Russlands. Bereits eine Gegenstimme dieser Länder reichte aus, um einen Beschluss zu verhindern. Das erschwerte die Konfliktlösung deutlich. Uns wurde dadurch klar, wie schwierig internationale Diplomatie ist, wenn unterschiedliche politische, wirtschaftliche und sicherheitspolitische Ziele aufeinandertreffen.

Zum Abschluss hielten die Staatsminister eine Rede, in der sie darlegten, ob die Ziele ihres Landes erreicht wurden und wo weiterhin Probleme bestehen. Am Ende des Tages wurde unsere erarbeitete Lösung von dem  Jugendoffizier ausgewertet. Er lobte unsere Idee, machte uns aber auch deutlich, dass sie in der Realität aufgrund verschiedener Faktoren wahrscheinlich nicht umsetzbar gewesen wäre.

Insgesamt war das PGW-Planspiel eine sehr lehrreiche Erfahrung. Politik wurde nicht nur theoretisch behandelt, sondern aktiv erlebbar gemacht. Wir konnten nachvollziehen, wie komplex internationale Konflikte sind und wie viel Verhandlungsgeschick, Geduld und Kompromissbereitschaft notwendig sind, um überhaupt zu einer gemeinsamen Entscheidung zu gelangen.

Juliana Roth, 10c